Beruf, Familie

„Mama, die Lok pupst! Mein Arbeitsalltag im Homeoffice“

Laptop vor Türkis Hintergrund, daneben bunte Legosteine.


Homeoffice – oder chicer: „Remote Work“, das mobile Arbeiten von zu Hause oder unterwegs aus – Schlagwort der Stunde in der Debatte um die Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Erzähle ich Bekannten, dass ich als Mutter meine Arbeit als Journalistin und Autorin von zu Hause aus mache, erhalte ich fast immer die Reaktion: „Wie praktisch! Das kannst du sicher gut mit der Betreuung deiner zwei (noch kleinen) Jungs verbinden!“ Ja – und nein. Es stimmt: mein Job zuhause tut mir gut und Arbeitswege ins Büro oder wie bei meiner früheren Stelle als Lehrerin in die Schule fallen weg – easypeasy ist Homeoffice mit zwei Kindern aber trotzdem nicht immer.

Wenn der Gatte zweimal klingelt

Verheiratet sind wir zwar nicht – und ganz so melodramatisch wie im Filmklassiker „Wenn der Postmann zweimal klingelt“ geht es bei uns auch nicht zu. Spannungslos bleibt Homeoffice zwischen Familie und Partnerschaft für uns aber dennoch nicht. Jedenfalls, wenn mein Partner zuhause ist. Meine „Kernarbeitszeit“ ist täglich von 8.30 bis 11.30 Uhr, solange meine Jungs in Kita und Grundschule untergebracht sind. Gegen 12 hole ich den Kleinen dann meist schon von der Krippe ab, seinen Mittagsschlaf macht er im Moment noch zu Hause. Unbestreitbar ein Vorteil der zeitlichen Flexibilität, die ich durch die Arbeit im Homeoffice habe. Während der etwa 1 1/2 Stunden, die mein Sohn mittags noch schläft, arbeite ich oft noch weiter – besonders, wenn ich gerade in das Schreiben eines Textes oder die Recherche für einen Artikel vertieft bin. 

Tja, und dann klopft es: „Wolltest du nicht noch das Mittagessen vorbereiten?“, „Haben wir eigentlich noch Nudeln?“, oder – expliziter: „Wie lange brauchst du denn noch?“ Der Subtext: Kind ist da, Haushalt ruft – was schreibst du also noch? Mich macht das ganz schön wütend. Nicht nur, weil mich die Frage nach den Nudeln aus meinem Gedankengang reißt. Auch, weil ich finde: Büro ist Büro – und ich rufe meinen Partner bei der Arbeit ja auch nicht an, um zu fragen, ob er schon die Möhren für den Auflauf am Abend vorgeschnitten hat. 

Väter ackern im Beruf für die Familie, Frauen arbeiten neben der Familie im Beruf?

Irgendwie zeigt mir das, welche Priorität meine Erwerbstätigkeit hat, wenn daneben familiäre Aufgaben rufen… Und ja, ich verdiene mit meinem Schreiben Geld, es ist inzwischen deutlich mehr als ein Hobby. Aber offenbar überkommt auch meinen Liebsten der Reflex „Mutti = Haushalt und Kind“, wenn beides Aufmerksamkeit benötigt und ich scheinbar räumlich und zeitlich verfügbar bin. Dass er bei seiner Arbeit aus Angst vor beruflichen Nachteilen anfangs nicht einmal erwähnte, dass er morgens die Möglichkeit haben wollte, seinen Sohn in den Kindergarten zu bringen, ergänzt das Ganze. Und das, obwohl er sich als Vater in seiner Freizeit wirklich engagiert an unserem Familienleben beteiligt. Aber der Grundsatz „Väter ackern im Beruf für die Familie, Frauen arbeiten neben der Familie im Beruf“ scheint in den Köpfen fester verankert zu sein, als es auf den ersten Blick erkennbar ist. Manchmal denke ich: auch in seinem.

„Mama, die Lok pupst!“

Ebenfalls ein Klassiker im Homeoffice, wenn ich am Schreibtisch sitze, während meine Jungs zuhause sind. Der Große kann mit seinen inzwischen 7 Jahren schon akzeptieren, dass ich während der Arbeit auch mal sage: „Tür bleibt zu!“ oder: „Ich habe jetzt ein wichtiges Telefonat, erst wieder klopfen, wenn der Zeiger bei der drei steht.“ Trotzdem linst er nicht selten durch den Spalt mit wichtigen Informationen: „Mama,  ich habe jetzt eine halbe Stunde ganz allein gespielt!“ oder eben: „Mama, die Lok pupst!“ Klar, er sucht in diesen Momenten meine Nähe und eigentlich freut mich das. Gleichzeitig katapultiert mich die pupsende Lok aber jedes Mal wieder für einige Minuten aus meiner Konzentration – und der Weg vom Kinder- in mein Arbeitszimmer ist eben deutlich kürzer als von zuhause ins Büro – entsprechend öfter bekomme ich Besuch.

Homeoffice und Kinderbetreuung sind zwei Jobs, die ich zu 100 Prozent nebeneinander definitiv nicht erledigen kann.

Homeoffice mit unserem Zweijährigen brauche ich dagegen gar nicht erst versuchen. Jedenfalls, solange er zuhause und wach ist. Daher hier noch einmal in aller Klarheit: Homeoffice ist Arbeit. Kinderbetreuung ist Arbeit. Homeoffice und Kinderbetreuung sind zwei Jobs, die ich zu 100 Prozent nebeneinander definitiv nicht erledigen kann. Außer, ich fahre mein berufliches Tempo massiv herunter – oder parke die Kids für (allzu) lange Zeit vor „Nanny“ TV. Beides auf Dauer nicht empfehlenswert.

„Ich mach mal eben noch…“

Punkt 3, den ich im Homeoffice nicht immer einfach zu beachten finde: Arbeit ist Arbeit – und irgendwann habe ich auch frei. Dann aber richtig. Bei „Remote Work“ und erst recht in einem Beruf, der mit Nachdenken, Planen und Recherchieren zu tun hat, findet ein Großteil der Arbeit im Kopf statt – und den habe ich eben immer dabei. Kommt dann noch dazu, dass meine „Bürokantine“ unsere Küche ist und der Ruheraum das Schlafzimmer, lässt sich erahnen, dass die Trennung zwischen Privatem und Beruf im Homeoffice nicht immer einfach ist. 

Eine „Ja-ja-Mama“, immer mit einem Auge am Bildschirm, wollte ich nie werden.

Abschalten kann ich grundsätzlich schon, Prioritäten setzen auch – und trotzdem habe ich eben auch privat ganz schön oft das Handy in der Hand. Dann sage auch ich mir allzu leicht: „Ich recherchiere noch mal eben diese Info für den Artikel“ oder: „Den Text kann ich noch rasch zu Ende schreiben“. Nur doof, wenn ich das tatsächlich von unterwegs aus, in meiner Freizeit, oder – noch doofer – in der Zeit tue, die für meine Kinder reserviert ist. Eine „Ja-ja-Mama“, immer mit einem Auge am Bildschirm, wollte ich nie werden. Und zum Glück bin ich es bis jetzt auch nicht. Der Satz „Ich mach mal eben noch…“ ist trotzdem ganz schön verführerisch. Und zugleich nicht wirklich hilfreich, um Beruf nach Feierabend Beruf sein zu lassen und Freizeit auch wirklich arbeitsfrei zu halten. Erst recht nicht, wenn kein Arbeitsweg beides voneinander trennt.

Vereinbarkeit im Homeoffice – gar nicht so einfach!

Effektiv im Homeoffice zu arbeiten und dabei Familie und Beruf zu vereinbaren, empfinde ich tatsächlich als gar nicht so einfach – und ich arbeite aktuell bei weitem nicht die 40h pro Woche, die unsere Gesellschaft bei einer Vollzeitstelle noch immer als normal ansieht. Ich arbeite tatsächlich aber auch flexibel, ohne lästige und zeitraubende Anfahrtswege. Und ich bin in meiner Arbeits- und Zeiteinteilung wirklich meine eigene Herrin. Klar, es gibt Deadlines, aber grundsätzlich sagt mir keiner: Antreten von 9 bis 17 Uhr! Oder fragt, warum ich morgens um zehn schon Pause mache und dafür nachts um zehn noch etwas recherchiere. Das alles mag ich sehr an der Arbeit von zuhause aus. 

Einige wirklich lästige Glaubenssätze nerven mich zugleich enorm. Dazu gehört die gesellschaftlich noch immer tief verankerte Annahme, weibliche Erwerbstätigkeit sei irgendwie weniger wichtig als männliche und umgekehrt sei Mama im Rahmen familiärer Fürsorge kaum ersetzbar. Ich bin überzeugt, beides stimmt nicht. Papas, Opas, Co-Eltern, Tanten und Erzieher/innen können Kinderbetreuung auch. Und wer seinen Job gut erledigt, dessen Arbeit ist gleich wertvoll, egal, ob er oder sie Susi, Klaus oder Mr. Gaga heißt. Homeoffice als Arbeitsweise wirft auf all das ein Schlaglicht – vielleicht ist es insofern tatsächlich die Arbeitsorganisation der Zukunft.

Herzlichen Gruß, Sarah Zöllner (mutter-und-sohn.blog)

Dieser Beitrag erschien zuerst auf Eltern.de.

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[Foto: © Vladimir Sukhachev / iStock / Getty Images Plus]

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